Suche Frieden und jage ihm nach.
Psalm 34, 15


Geschichte der evangelisch-methodistischen Kirchgemeinde Mylau im Vogtland

Herausgegeben anläßlich der 100jährigen Jubiläumsfeier vom 12. - 14. März 1994

...wie alles begann

Als Gründungstag der Gemeinde gilt der 13. Februar 1894. Die Anfänge der Gemeinde reichen jedoch weiter zurück.

Von der bereits in Plauen bestehenden Gemeinde aus bemühten sich die jeweiligen Prediger auch hier in den Städten Reichenbach, Mylau und Netzschkau Gottesdienste zu halten und nach und nach Gemeinden zu gründen. So wurden seit den sechziger Jahren in Mylau einige Werbegottesdienste gehalten, da es schon einige Mitglieder unserer Kirche gab, z. B. Schwester Gottliebe Zeidler und Christliebe Sonntag. Es fehlten aber zu der Zeit Brüder, die die Werbung für die Gründung einer Gemeinde unterstützen konnten. In Reichenbach und auch in Netzschkau waren in dieser Zeit bessere personelle Möglichkeiten. Es kam deshalb bereits im Oktober 1870 zur Gemeindegründung in Reichenbach, am 20. November 1871 in Netzschkau und am 2. Dezember 1871 in Limbach. Initiator für diese Gemeindegründungen war der damals in Plauen stationierte Prediger F. Schmidt.

Wie oben schon betont, wurden nun auch in bestimmten Abständen von Plauen aus, wohin ab 1872 Prediger Seiz versetzt wurde, Versammlungen in Mylau gehalten und zwar abwechselnd bei den Schwestern Zeidler und Sonntag. Aber die Feindschaft und Gegenpropaganda gegen die Methodisten war damals so stark, dass sich in Mylau nur wenige Einzelpersonen zu den Versammlungen einfanden und von keiner Gemeindegründung gesprochen werden konnte. Aus der Chronik der Gemeinde Reichenbach ist ersichtlich, dass dort zu dieser Zeit ebenfalls große Feindschaft gegen die Methodisten-Versammlungen bestand, so dass zeitweise nur 2 Personen die Gottesdienste besuchten. Der Herr gab aber dort immer wieder Männer und auch Frauen, die treu waren, so dass die Gemeinde dort nach und nach wachsen konnte. In Mylau wurde die Arbeit verstärkt aufgenommen durch den Prediger C. Schaarschmidt, der von 1889-1895 in Plauen, Reichenbach und Netzschkau wirkte. In dieser Zeit wurde in Reichenbach die Immanuelkirche gebaut und am 10. November 1890 eingeweiht.

Der Bibel-Verkäufer Jakob Krögel von den Vereinigten Brüdern in Christo war gerade wieder einmal in Mylau und hatte für seine Bibel-Verkaufswerbung zu einer Versammlung in der Körnerstraße eingeladen. Diese Möglichkeit wurde zur Gemeindegründung in Mylau genutzt.

Die erste Gemeindeversammlung fand am 13. Februar 1894 bei einem Freund der Methodisten, Otto Renz, in der Körnerstraße statt. An dieser Gründungsversammlung nahmen außer Bruder Jakob Krögel, der diese Versammlung einberufen hatte und diese auch leitete, unter anderen noch Otto Renz, Christliebe Sonntag, Gottliebe Zeidler, Hermann Lötzsch und Frau sowie Wilhelm Fischer teil. Die Geschwister Lötzsch und Fischer wohnten früher in Reichenbach und waren dort in unserer Gemeinde Mitglieder geworden.

Inzwischen hatten aber diese beiden Familien in Mylau Hausgrundstücke erworben und waren nach Mylau umgezogen. Prediger Schaarschmidt, der ja von Plauen aus auch die Gemeinden Reichenbach und Netzschkau bediente, hatte schon mehrmals in Reichenbach geäußert, dass nunmehr auch in Mylau eine Gemeinde gegründet werden sollte und hatte dabei den Bruder Wilhelm Fischer dazu besonders ermuntert, hierbei in Mylau zu helfen und dann auch die Leitung zu übernehmen. Bruder Fischer hatte aber bisher keine Freudigkeit dazu. Zu dieser Gründungsversammlung am 13. Februar 1894 wurde aber Bruder Wilhelm Fischer durch die gesegnete Leitung von Bruder Jakob Krögel bereit, die Leitung der nun gegründeten Gemeinde in Mylau zu übernehmen.

Nun war ein Anfang gemacht und auch der Segen des Herrn zu spüren. Denn eine Woche nach der Gründungsversammlung fand wieder ein Gottesdienst bei Familie Renz statt. Geleitet wurde diese Versammlung von Bruder Schuster aus der Gemeinde Reichenbach. Bei diesem 2. Gottesdienst war auch Bruder Mädler anwesend und lud die Gemeinde ab nächster Stunde in seine Wohnung ein, da diese größer als die von Familie Renz war. So fanden nun ab diesem Zeitpunkt alle zwei Wochen Versammlungen in der Wohnung Mädler in der Ringstraße statt. Die Predigten hielten abwechselnd Brüder aus Reichenbach und Netzschkau.

Durch die Regelmäßigkeit und fleißiges Einladen wuchs die Besucherzahl. Ab 1895 wurde Bruder Ramdohr als Hilfsprediger und damit erstmalig ein Prediger in Reichenbach eingesetzt und der Bezirk Reichenbach mit den Stationen Mylau, Netzschkau und Limbach gebildet. Durch diese bessere Betreuung der Gemeinden wuchs die Zahl der Besucher und Mitglieder auch in Mylau.

Die bisher genutzte Wohnung bei Familie Mädler wurde zu klein. Es wurde deshalb ab Ende Januar 1895 als Gemeindelokal eine größere Stube bei Büttner, Lambziger Weg, gemietet und dort am 3. Februar 1895 die 1. Versammlung abgehalten. Prediger Ramdohr hielt eine gute Einweihungspredigt. Von Prediger Schaarschmidt, Plauen, wurde durch behördliche Forderungen nunmehr verlangt, dass die Versammlungen angemeldet werden müssen. Es musste jede einzelne Predigt vorher nach Plauen gemeldet werden und die Versammlung wurde dann polizeilich überwacht. Eine der nächsten Versammlungen wurde dann z. B. durch den Schutzmann Gustav Kießling geschlossen, da dieselbe zu spät in Plauen angemeldet worden war.

Die Gemeinde ließ sich dadurch aber nicht irre machen und der Herr lenkte das auch in Zukunft so positiv, dass der Wachtmeister Saitenmacher, dessen Frau treue Besucherin der Gottesdienste war, die Versammlungen überwachte. Dadurch konnte die Gemeinde wachsen und die Arbeit sich festigen.

Ab 23. Juli 1896 zog die Gemeinde mit ihren Veranstaltungen um in die Reichenbacher Straße zur Familie Fischer, die dort ein Haus gekauft und sich eine Bäckerei eingerichtet hatte (jetziges Reformhaus). Der Versammlungsraum war wieder größer und das war auch nötig, denn der Herr gab auch in der MyIauer Gemeinde Wachstum und Gedeihen. Auch die polizeiliche Überwachung fiel von diesem Zeitpunkt an weg. Eigentlich hätte nun die Gemeinde systematisch weiter wachsen müssen, da keine politische Überwachung mehr stattfand, aber leider ging der Besuch der Veranstaltungen etwas zurück. 1897 wurde der Prediger Keßler nach Reichenbach versetzt. Er nahm sich auch der kleinen Gemeinde in Mylau an, machte viele Hausbesuche, war selbst gutes Vorbild und wirkte aktivierend durch ernste Predigten und gute Gebetsgemeinschaften. Dadurch wuchs die Gemeinde und die ganze Arbeit wurde gefestigt, so dass 1897 durch Bruder Wilhelm Fischer die Sonntagsschularbeit aufgenommen werden konnte, und 1899 wurde der Gesangsverein (Gemischter Chor) gegründet.

Auch in Netzschkau ging es in dieser Zeit gut vorwärts, so dass dort die Zionskirche gebaut und am 11.5.1899 eingeweiht werden konnte. Prediger Keßler wurde 190 I auf einen anderen Bezirk versetzt und dafür übernahm Prediger Schäuble den Reichenbacher Bezirk. Die Gemeindearbeit in Mylau festigte sich weiter, so dass 1901 in Mylau der Jugendbund gegründet werden konnte. Nun war in Mylau eine lebendige Gemeinde durch des Herrn Gnade entstanden, die im Februar 1904 in großer Dankbarkeit gegenüber unserem Herrn das 10jährige Gemeindejubiläum feiern konnte. Ab diesem Zeitpunkt war die Gemeinde Mylau so erstarkt, dass sie in größeren Veranstaltungen wie evangelistische Vorträge, Lichtbildervorträge, Gesangsgottesdienste usw. in den großen Sälen der Lokale "Germania" (Verwaltungsgebäude des Apparatebaus Mylau, jetzt Behr-Industrietechnik) und im Schützenhaus, Rotschauer Straße, an die Öffentlichkeit treten konnte. Diese Veranstaltungen hatten einen sehr guten Besuch zu verzeichnen.

Zur Jährlichen Konferenz 1904 wurde Prediger Schäuble nach Annaberg versetzt, und Prediger Voigt übernahm den Bezirk, der auch die Gemeinde in Mylau sehr unterstützte und in Reichenbach die beiden Wohnhäuser vor der Kirche bauen ließ. Nach Prediger Voigt übernahm von 1909 bis 1912 Prediger Barkemeier den Bezirk und führte die Gemeinden durch gute Wortverkündigungen weiter aufwärts. Die bisherige intensive Aufbauarbeit und der Segen des Herrn bewirkten in Mylau ein laufendes Gemeindewachstum, so dass der Gemeindesaal im Hause der Geschwister Fischer zu klein wurde und eine Vergrößerung durch Herausnehmen einer Wand geschaffen werden musste. Ab August 1912 reichte aber der vergrößerte Raum trotzdem nicht mehr aus und es wurde ein größerer Gemeindesaal im Haus der Fabrikantenfamilie Lenk in der Netzschkauer Straße gemietet und entsprechend eingerichtet. Prediger Bitter, der nun von 1912 bis 1920 den Bezirk leitete, hielt zum Einweihungsgottesdienst im August 1912 dort seine Antrittspredigt Er teilte in den schweren Jahren des 1. Weltkrieges Freude und Leid mit den Gemeinden seines Bezirkes, die trotzdieser Notzeit weiter wuchsen.

1920 übernahm Prediger Hilpert den Bezirk Reichenbach. In Mylau war die Gemeinde auch weiter gewachsen, so dass der Gemeindesaal in der Netzschkauer Straße nicht mehr ausreichte. Außerdem fühlte sich die Gemeinde in diesem Saal nicht mehr wohl, da dieser im Erdgeschoß lag und sehr feucht war. Hinzu kam noch, dass der Wunsch nach einer eigenen Kirche immer stärker wurde, da die Gemeinde schon mehrmals in jeweils größere gemietete Lokale umziehen musste. Zur Verwirklichung dieses Wunsches war es sehr nützlich, dass Prediger Hilpert den Bezirk ab 1920 übernahm, denn er hatte schon gute Erfahrungen auf anderen Bezirken im Bau von methodistischen Kirchen gesammelt. Er hatte auch die hierzu erforderliche Energie. Gepaart mit dem festen Willen der ganzen Gemeinde, ein eigenes Gotteshaus zu besitzen, ging Prediger Hilpert, unterstützt von den führenden Brüdern Wilhelm Fischer, Otto Malz, Hermann Lötzsch usw. ans Werk.

Der Herr segnete diese Bemühungen, indem das schöne Grundstück an der Rotschauer Straße Nr. 19 gekauft, die Friedenskirche gebaut und am 21. März 1926 eingeweiht werden konnte. Der geplante und dann auch durchgeführte Bau des neuen Gotteshauses aktivierte in diesen Jahren die ganze Mylauer Gemeinde. Es entwickelte sich trotz der noch finanziell schweren Zeit nach dem 1. Weltkrieg und der noch nicht verkrafteten Inflation eine enorme Gebefreudigkeit Das war auch bitter nötig, denn die lnflation hatte den gesammelten Baufonds in Höhe von 12.000,- Mark aufgezehrt. Mit Unterstützung der jährlichen Konferenz konnte Prediger Hilpert die erforderlichen Mittel beschaffen, so dass der Kirchenbau durchgeführt werden konnte. Die Einweihung der Friedenskirche am 23.3.1926 war für die ganze Gemeinde, sowie auch für den ganzen Bezirk Reichenbach ein denkwürdiger .Jubeltag. Wie dieser festliche Einweihungstag ablief, hat Prediger Barkemayer in einem Artikel im "Evangelist", unserer damaligen Kirchenzeitschrift, testgehalten.
Ein Auszug aus dieser Archivunterlage lautet wie folgt:

"Nach einer kurzen Andacht im alten Lokal formierte sich die Menge der Gemeinde und Freunde zum Abmarsch zur neuen Kapelle. Voran die Beamten der Vierteljährlichen Konferenz, der Distriktvorsteher und die Prediger. Unter feierlicher Musik der Posaunenchöre von Reichenbach, Netzschkau und Falkenstein bewegte sich der lange Zug durch die Stadt zur Kapelle, empfangen mit einer Begrüßung des Baumeisters und Vertretern der Stadt. Der Schlüssel ward überreicht, und der Prediger schloß auf. Zum ersten Male ward nun das liebliche Gotteshaus mit wohl 4 -500 Festgästen gefüllt und der erste große Gottesdienst von Prediger Brd. Hlilpert mit Gesang, Gebet und Begrüßung eröffnet. Nach dem der Vertreter des ersten Bürgermeisters seinen herzlichen Gegengruß zum Ausdruck gebracht, folgte der formelle liturgische Akt der Weihe und Übergabe des Hauses zum Dienste Gottes und der Kirche, worauf unser Distriktvorsteher Prediger Zeuner aufgrund von I. Petr. 2. 5 - 7 über den köstlichen Eckstein eine köstliche Predigt hielt. Das Programm für den Festgottesdienst am Nachmittag sowohl auch für den Gesangsgottesdienst am Abend bot eine reiche Fülle für Ohr und Herz. Die Gesangschöre von Mylau, Netzschkau und Reichenbach, sowie die Darbietungen der Musikchöre von Netzschkau usw. waren überaus kunstvolle Leistungen und von herzerhebender Wirkung. Die anwesenden Prediger Brd. Seile- Chemnitz, Brd. Voigt- Werdau und Brd. Richter - Greiz sowie Brd. Hilbert und Schreiber dieses, dienten mit gesegneten Ansprachen. Der Leiter der Landeskirchlichen Gemeinschaft in Mylau, Brd. Herold, brachte einen warmen nachbarlichen Gruß seiner Gemeinde; ebenso grüßten einige unserer lieben Brüder aus Falkenstein, Plauen und Leipzig mit einem Schriftwort. Sodann sprachen die Vertreter von Mylau Brd. Otto Malz und ferner von Netzschkau Brd. W. Ritter und von Reichenbach Brd. Müller, wobei letztere je eine Liebesgabe als Bauhilfe von Ihren Gemeinden überreichten. Auch schriftliche Grüße von außerhalb und von einigen teils früheren Predigern vom Bezirk Reichenbach und Nachbarbezirken (Bitter, Keßler, Schäuble, Matthies, Reinsberg) wurden gerne gehört. Auch die Sonntagsschule, geleitet von Brd. Fischer, hielt mit Sang und Klang ihren feierlichen Einzug und wurde von einigen Predigern und Brüdern angeredet und im neuen Heim bewillkommt. So ging der erste Tag im Vorhof Gottes zu Ende, und wohl ein jeder der Festgenossen ging fröhlich, befriedigt und gesegnet nach Hause. Die Gemeinde in Mylau aber, welche wie der Vogel nun ihr Nest und eine bleibende Stätte gefunden hat, möge sich jetzt auch nach innen erbauen zu einer Behausung Gottes im Geist."

Das, was der oben zitierte Schreiber Prediger Barkemeier im Archivbericht im "Evangelist" als Abschlußwunsch ausdrückte, dass das nunmehr neuerbaute Gotteshaus sich auch nach innen zu einer Behausung Gottes im Geist entwickeln möge, trat ein. Die vor und während des Kirchenbaues vielfach auftretenden finanziellen Nöte und breitgefächerten erforderlichen Aufgaben hatten die ganze Gemeinde so aktiviert, dass sich auf allen Gebieten Dienstbereitschaft, Gebefreudigkeit sowie auch geistliches Wachstum durch des Herrn Gnade entwickeln konnte.

Dem Unterzeichnenden ist es durch jahrelanges Mühen gelungen, aus dieser Zeit von den maßgebenden Brüdern der Gemeinde, wie Wilhelm Fischer, Otto Malz, Herrmann Lötzsch, Willy Fischer, Paul Fischer, Walter Thomas, Arno Ludwig, Fritz Mothes Usw., als sie noch lebten, Archivunterlagen zu bekommen, die neben anderen Dingen zur 100-Jahr-Feier der Gemeinde in einer Ausstellung den Besuchern zugänglich gemacht werden. Einige Archivaussagen von diesen verdienstvollen Brüdern müssen hier zitiert werden, denn der geschilderte Einsatz derselben schaffte Voraussetzungen, dass Gott in der gesamten Gemeinde die erforderlichen Aktivitäten weckte und die Mitgliederzahl zu dieser Zeit stetig wachsen ließ. Von dem Mitbegründer der Gemeinde, Bruder Wilhelm Fischer, wird durch seine 2 Söhne Willy und Paul Fischer berichtet, dass er ab Gründungstag die Gemeinde leitete, diese von 1896 bis 1912 in sein Haus aufnahm, 1897 die Sonntagsschule gründete und bis zu seiner Erkrankung 1927 führte. Von der 30-Jahr-Feier der Sonntagsschule 1927, die er noch leiten konnte, ist aus den Archivfotos zu ersehen, dass 75- 80 Kinder dazugehörten.

Über Bruder Otto Malz wird ausgesagt, dass er in damaliger Zeit die führende Persönlichkeit sowohl in geistlicher als auch in verwaltungsmäßiger Hinsicht war. Er war Ermahner, Laienvertreter an den Jährlichen Konferenzen, Laienprediger, Verwalter für Kollekten und Beiträge und gründete 1901 auch den Jugendbund. Diese Aufgaben führte er über Jahrzehnte bis zu seiner Erkrankung mit schnell nachfolgendem Heimgang 1955 durch. Bruder Hermann Lötzsch gründete aufgrund seiner musikalischen Begabung 1899 den Gesangsverein (Gemischter Chor), leitete denselben über Jahrzehnte und versah auch ebenso lang bis Anfang 1930 den Organistendienst. Der Bruder Willy Fischer war als Sohn von Willhelm Fischer aktiv in allen Gremien der Gemeinde tätig und berichtete, dass die Gemeindejugend damals bereits 25 Mitglieder zählte, deren Zahl durch ein Foto nachgewiesen ist. 1923 zog er beruflich nach Leipzig und gründete dort auch eine Familie. Seine Tochter zog später als Missionarin nach Indien und wirkte dort in reichem Segen. Bruder Willy Fischer zog es mit seiner Gattin im Rentenalter wieder in seine vogtländische Heimat. In Mylau war damals keine Wohnung zu bekommen, so zog er nach Reichenbach. Wir alle wissen, dass er in den 70er Jahren bis zu seinem Heimgang auf unserem Bezirk in reichem Segen als Predigthelfer wirkte.

Bruder Paul Fischer, ebenfalls ein Sohn von Wilhelm Fischer, hatte das Bankgewerbe erlernt. Er blieb aber vorerst der Gemeinde erhalten und konnte durch seine ähnliche Begabung wie sein Vater, als dieser erkrankte, 1927 die Sonntagschule übernehmen und bis 1931, wo er beruflich nach Auerbach versetzt wurde, führen. Außerdem war er musikalisch begabt und konnte bei der Leitung des Gemischten Chores einspringen, wenn Bruder Lötzsch, der öfter durch Krankheit ausfiel, denselben nicht leiten konnte. Durch seine hohe Begabung, gute Ausbildung und durch den Segen, den er in seinem frommen Elternhaus empfangen hatte, stellte er sich nach Kriegsende der Methodistischen Kirche als hauptamtlich angestellter Laienprediger und später als Pastor zur Verfügung. Er wurde trotz seines erreichten Rentenalters dadurch noch einer Reihe von Gemeinden zum Segen. Auch bei uns hielt er vielfach bei festlichen Anlässen segensreiche Gottesdienste. Erst im Alter von ca. 70 Jahren gab er diesen Dienst auf und zog zu seinem Sohn, der als Professor in Arnbach/Würtemberg tätig war. Er stellte dem Unterzeichneten wertvolle Archivunterlagen zur Verfügung. Mitte der 80er Jahre verstarb er in Arnbach.

Bruder Walter Thomas kam aus der Leipziger Gemeinde nach Mylau, heiratete die Zwillingsschwester Ella von Paul Fischer und war verwaltungstechnisch bei Fa. Peßler u. Sohn in Mühlwand tätig. Diese Verwaltungstätigkeit war für die Gemeinde Mylau sehr von Nutzen, denn Bruder Thomas konnte dadurch viele verwaltungstechnische Aufgaben in der Gemeinde übernehmen bzw. positiv beeinflussen. So war er 8 Jahre Laienvertreter bei der Jährlichen Konferenz, viele Jahre Buch- u, Kassenprüfer und Schriftführer bei der Bezirkskonferenz. Unsere Mylauer Belange vertrat er stets aktiv in der Bezirkskonferenz. Leider verstarb er schon 1976, als die asiatische Grippe in Mylau umging.

Von Bruder Arno Ludwig kann berichtet werden, dass er schon in der Jugend aktiv in der Sonntagschule mitarbeitete und dann, als Bruder Paul Fischer dienstlich nach Auerbach versetzt wurde, die Leitung der Sonntagschule von 1931 an übernahm und diese wichtige Arbeit auch in den schweren Jahren des 2. Weltkrieges treu und zuverlässig bis 1958 führte.

Bruder Fritz Mothes war ein aktives Gemeindevorstandsmitglied, der allerdings mehr im Stillen arbeitete. Da er gelernter Bauschlosser war, setzte er sich überall dort ein, wo in der Kirche oder im Kirchengrundstück Reparaturen oder sonstige Verbesserungen nötig waren. Sehr aktiv war er mit seinen Fotoapparaten und zuletzt sogar noch mit seinem Filmapparat. So hat er dem Unterzeichneten eine große Zahl von Fotos und zuletzt auch aufgenommene Filme vom Gemeindeleben und festlichen Höhepunkten der Gemeinde für die Gemeindechronik übergeben, an welchen wir uns auch zur Ausstellung anlässlich der 100-Jahr-Feier erfreuen können.

Auch die segensreiche Mitwirkung der Schwestern in der Gemeinde müssen wir entsprechend würdigen. Sie haben als Ehefrauen der dargestellten männlichen Aktivisten der ersten Gemeindejahrzehnte ihre Männer ermuntert zum Gemeindedienst. Sie haben diese praktisch von häuslichen Aufgaben hierfür freigemacht und die ganze Arbeit im Gebet und durch Geldspenden unterstützt. Sie haben weiter auch praktisch in der Gemeinde mitgearbeitet, z. B. in der Sonntagsschule, im Frauendienst, beim Einladen und bei allen sonstigen Gemeindeeinsätzen. Das gilt uneingeschränkt auch für die Mädchen und unverheirateten Frauen.

In diesem Chronikabschnitt sind auch einige Segenslinien die von den führenden Brüdern und Schwestern der Gemeinde ausgingen und sich in nachfolgenden Familien positiv auswirkten, dargestellt. Verständlicherweise konnten diese Chroniknachforschungen nicht auf alle übrigen Familien der Gemeinde ausgedehnt werden. Aber über eine solche Segenslinie muss in dieser Chronik wie folgt berichtet werden, da sich diese über Kontinente hinweg bis nach Brasilien bewegt hat:

Am 24.05.1990 meldete sich die Enkeltochter Astrid von der Familie Herrmann Lötzsch aus Brasilien mit ihrem Gatten bei dem Unterzeichneten. Sie machten eine Reise nach Deutschland, um nach den Wurzeln Ihrer Familie zu forschen. Sie hatten in der Friedenskirche nachgefragt, von wem sie etwas aus der Chronik der Gemeinde und vor allem von dem Werdegang der Familie Lötzsch in Verbindung mit der Methodistengemeinde erfahren können. So wurden sie zu mir gewiesen. Dadurch erfuhren sie das, was sie wissen wollten von ihren Großeltern in Verbindung mit unserer Gemeinde. Sehr bedeutsam war dem Unterzeichneten zu erfahren, dass die Mutter Hildegard als jüngste Tochter der Familie Lötzsch einen Herrn Leopold Löw heiratete und 1927 zu ihm nach Brasilien umzog. Dort schufen sie sich eine gute Existenz und zogen 5 Kinder auf. Die jüngste Tochter dieser Familie Lötzsch ist die Frau Astrid, die jetzt mit ihrem Gatten Herrn Emil Dietz beim Unterzeichneten nach den Wurzeln ihrer Familie forschte. Weiter war wichtig zu erfahren, dass ihre Familie sowie auch die Familie ihrer Eltern in der Stadt Curitiba (lOOOOO Einwohner) in Südbrasilien zur großen Gemeinde der Landeskirchlichen Gemeinschaft gehören und dort in der 2. Generation aktiv in der Gemeinde mitwirken. Zum Beispiel hat die Mutter der Frau Astrid durch Ihre gesangliche und musikalische Begabung, die sie auch hier in den Dienst der Gemeinde stellte, dort in Brasilien den Frauenchor geleitet und laufend bei entsprechenden Veranstaltungen Solos gesungen. Das ist doch eine große Ursache zum Danken, dass der Herr auch über Ländergrenzen und Kontinente hinweg Menschen, die in der Mylauer Gemeinde aufwuchsen, ganz gleich wo sie sesshaft werden, für Ihre Umwelt zum Segen gesetzt hat, und dass sich diese Segenslinie auch weiter über die Tochterfamilie Astrid Dietz dort in Brasilien fortsetzt. Zum Abschluss dieses Abschnittes der Chronik über Aktivitäten und Segenslinien, die in der Gemeinde Mylau entstanden bzw. auch sich nach außen weiter entwickelten, geben wir der Hoffnung Ausdruck, dass wir zum 100jährigen Jubiläum durch die Kurzansprachen von hier tätigen Pastoren oder auch von auswärts wohnenden ehemaligen Gemeindegliedern weitere Ergänzungen hierzu erfahren werden.

Die durch die Freude über den abgeschlossenen Kirchenbau entwickelten Aktivitäten normalisierten sich in den anschließenden Jahren sicher auch dadurch, dass sich der allgemeine Lebensstandard etwas besserte, so dass eine bestimmte Stagnation im Gemeindewachstum eintrat. Prediger Hilpert wurde 1927 nach Aue versetzt und dafür kam Prediger Reinsberg nach Reichenbach. Prediger Reinsberg führte den Bezirk bis 1932. Schon diese Jahre waren wieder schwere Jahre durch die Weltwirtschaftskrise und die sich dadurch entwickelnde sehr hohe Arbeitslosigkeit.

Damit traten Finanzprobleme auch in der Gemeinde auf, da ja durch den Kirchenbau noch erhebliche Schulden zu verzinsen und abzuzahlen waren. Prediger und Gemeinde arbeiteten auch bei diesen Problemen gut zusammen. Von 1932 bis 1939 leitete Prediger Lätzsch den Bezirk. Die damals unruhige politische Lage zur Hitlerzeit und die angespannte Finanzsituation der Gemeinde erforderte von Bruder Lätzsch viel Einsatzfreudigkeit. Die Stagnation der Mitgliederbewegung setzte sich in dieser Zeit fort. Da diese Zeit wirtschaftlich und politisch undurchsichtig war, gingen auch die Geburtenziffern zurück, so dass in der Gemeinde eine gewisse Überalterung eintrat.

1939 kam der Missionar Dr. H. Leitner mit seiner Familie zu einem Ruhejahr auf unseren Bezirk. Als aber der 2. Weltkrieg am 1.9.1939 ausbrach, durfte er nicht wieder zurück in sein Missionsgebiet und wurde bestimmt, den Bezirk Reichenbach zu übernehmen. Er musste auch bald selbst wieder zum Kriegsdienst eintreffen. Notdürftig wurde der kirchliche Dienst von benachbarten Pastoren, z. 8. aus Netzschkau, Treuen, Greiz und auch durch Brüder von Reichenbach und Mylau hier weiter aufrechterhalten.

Nach Kriegsende 1945 kam Pastor Collatz nach Reichenbach. Die Notzeit während des Krieges und danach machte die Menschen wieder stärker fragend nach ewigen. Werten. Die gute, tiefgreifende Wortverkündigung durch Pastor Collatz, gepaart mit evangelistischen Liedern, die er zum Teil alleine oder in Verbindung mit Schwestern aus der Reichenbacher Gemeinde vortrug, wurden von den Besuchern gerne gehört.

Der Besuch in den Gottesdiensten wuchs dadurch auch in Mylau so an, dass die 90 - 100 Plätze im großen Saal nicht mehr ausreichten und oftmals der kleine Saal mit geöffnet werden musste. Die Mitgliederzahl wuchs, und auch ein großer Freundeskreis besuchte laufend unsere Veranstaltungen. Pastor Collatz leitete den Bezirk in reichem Segen 10 Jahre und zwar von 1945- 1955. Im Verlauf dieses Zeitabschnittes wurden 3 junge Brüder aus Mylau ins Predigtamt unserer Kirche berufen: Heinz Ludwig, Gerhard Riedel und Wolfgang Maneck.

Durch die verstärkten Aufgaben bekam der Bezirk in den nächsten Jahren zunächst jeweils einen Predigergehilfen, der für das Theologiestudium vorgesehen war. Ab 1955 wurde in unserer Friedenskirche in Mylau eine Wohnung für einen 2. Pastor eingerichtet und dann auch mit einem solchen besetzt.

Pastor Herbert Götz wurde von 1955 - 1963 als leitender Pastor für den Bezirk eingesetzt. Ihm zur Seite stand Pastor Hertel als 2. Pastor, wohnhaft in der Friedenskirche in Mylau. Pastor Götz festigte in seiner ruhigen tiefgehenden Art die durch Pastor Collatz hinzugewonnenen Gottesdienstbesucher im Glauben. Aktiv unterstützt wurde er dabei vom 2. Pastor Brd. H. Hertel, der sich in kurzer Zeit in die sich laufend steigernden Aufgaben des Bezirkes einarbeitete.

Dadurch, dass wir in Mylau nun den 2. Pastor wohnen hatten, der selbstverständlich auch in Reichenbach und auf den erweiterten Predigtstationen wie Unterheinsdorf, Lengenfeld und Schneidenbach Dienst tat, konnten wir in Mylau mit dieser Unterstützung endlich planen, bestimmte Erweiterungen bzw. Werterhaltungsarbeiten am Kirchengebäude sowie Grundstück in Angriff zu nehmen.

Von 1963 - 1970 leitete Pastor G. Solbrig den Bezirk und festigte durch tiefgehende Wortverkündigung den Glauben der Besucher und ließ durch straffe, gutgeleitete Verwaltungs- und Finanzarbeit in Reichenbach, Unterheinsdorf und Lengenfeld Renovierungen an den kirchlichen Gebäuden durchführen.

ln Mylau konnten wir überwiegend in Eigenleistung durch aktive Mitwirkung der hier stationierten 2. Pastoren wie Hans Hertel, K. F. Siebert, Klaus Philebrunn, Gotthard Schreier und Praktikant Helmut Schönfeld, die im Grundstück stehende Garage und das angrenzende Lagergebäude neu errichten und Gartenzäune Instand setzen usw.

Auch die Jugendarbeit war in diesen Jahren, da wir 2 Pastoren hatten, ein Aktivposten in der Gemeindebezirksarbeit Unter anderem entstand vorwiegend durch junge Mylauer Geschwister eine Jugendband, geleitet von Bruder Ekkehard Spindler, die in den größeren Veranstaltungen auf dem Gemeindebezirk mit ihren frischen Liedern, verstärkt durch Elektrogitarren zur Ehre des Herrn wirkte. Die Band wurde auch außerhalb des Gemeindebezirkes, z. B. bei Jugendtagen und Jährlichen Konferenzen wirksam.

Pastor Harry Windisch war von 1970 bis 1986 leitender Pastor. Er war hier am längsten auf dem Bezirk und baute die Gemeinden weiter durch gute Wortverkündigung, enge Kontakte zu allen Mitgliedern und Organisierung vieler Umbau- und Renovierungsarbeiten in und an der Reichenbacher Kirche. In Mylau bekamen wir Pastor Ruhnow als 2. Pastor auf dem Bezirk. In seiner Dienstzeit hier wurden entscheidende Instandsetzungs- und Werterhaltungsarbeiten an der seit 1926 stehenden Friedenskirche, überwiegend aber in Eigenleistung, einschließlich Gerüstauf und -abbau, durchgeführt. Pastor Ruhnow war handwerklich so begabt, dass er zu dieser Zeit selbst mit auf das Dachgerüst stieg und die schadhaften Schornsteine mit aufmauerte. Es wurden außerdem das ganze Kirchendach sowie der gesamte Außenputz erneuert. Neben der Mithilfe mancher Kirchenmitglieder muss an dieser Stelle dankend erwähnt werden, dass Bruder Ronald Hendel mit seinen handwerklich gut ausgebildeten, aber auch dienstbereiten Söhnen Ulrich, Dietrich, Martin und Wolfgang den Hauptanteil der anfallenden Leistung vollbrachte, so dass nur die Vorderfront durch eine Baufirma neu geputzt zu werden brauchte. Durch diese hohe Aktivität wurden der Gemeinde sowie dem Bezirk hohe Kosten gespart. Außerdem war dadurch unsere liebe Kirche wieder wettergeschützt und nach außen ein Schmuckstück geworden.

Aus den Archivunterlagen ist ersichtlich, dass wir vom 9. bis 14.10.1976, also genau zu der Zeit, wo Bruder Ruhnow in Mylau als 2. Pastor stationiert war, das 50 jährige Kirchenjubiläum der Friedenskirche, die ja 1926 eingeweiht wurde, feierten. Das war eine Zielstellung mit, auch das Äußere unserer Kirche, wie oben geschildert, gut voranzubringen. Aber bedeutsam an dem für dieses Jubiläum von Bruder Ruhnow herausgegebenen Einladung ist, dass er das Thema "Erbaut Euch zum geistlichen Hause" nach 1. Petrus 2, 5 wählte. Er machte sich damit zum Sprecher der verantwortlichen Gemeindemitglieder und des leitenden Pastors des Gemeindebezirkes.

Alle freuten sich über die äußeren sichtbaren Verbesserungen, aber sie blickten auch mit Sorge auf den durch Überalterungen und Heimgang reduzierten Mitgliederstand. Man darf wohl feststellen, dass dieser erwähnte Aufruf, die mit starker Gemeindebeteiligung durchgeführten Werterhaltungsarbeiten und die wertvollen Gottesdienste, die in der Festwoche von Sup. H. Götz, Gemeindepastor Windisch, Pastoren K. F. Siebert, W. Maneck, H. Schönfeld gehalten wurden, eine Wende im Gemeindeleben in Mylau bewirkten. Natürlich wissen wir, dass die vorhergehenden wirkungsvollen Gottesdienste durch die beiden Pastoren und die Bibel- und Gebetsstunden der Gemeinde an dieser sogenannten Wende großen Anteil haben, und dass zu allem der Herr seinen Segen gab. In den nachfolgenden Ausführungen wird noch näher auf die Voraussetzungen zu dieser Wende eingegangen. Auch die nach Pastor Ruhnow als 2. Pastoren eingesetzten Brüder Hunger, Meischner und Neels in Mylau wirkten aktivierend auf die innere Festigung des Gemeindelebens.

1986 wurde als Nachfolger von Pastor H. Windisch Pastor M. Gottschald aus Falkenstein als Verantwortlicher auf den Bezirk Reichenbach delegiert. Er leitete den Bezirk bis 1990. Unterstützung hatte er noch eine Zeit lang durch den 2. Pastor J. E. Neels, der dann nach Rodewisch versetzt wurde. Ihm folgte zur Unterstützung von Pastor Gottschald die Pastorin Ulrike Förster. Später schied sie aus dem hauptamtlichen kirchlichen Dienst aus und bezog mit ihrer Familie eine Privatwohnung. Pastor Gottschald festigte das Gemeindeleben durch tiefgehende Predigten, aber aufgrund seines fortgeschrittenen Alters ging er 1990 in den aktiven Ruhestand und zog nach Zwickau.

Ab 1990 wurde Pastor G. Förster, langjähriger Leiter des Kinderwerkes unserer Kirche, als Leiter des Bezirkes Reichenbach eingesetzt. Er musste die Arbeit aufgrund des bestehenden Pastorenmangels ohne 2. Pastor übernehmen und war deshalb gezwungen, die Gottesdienstzeiten sowohl in Reichenbach als auch in Mylau so zu verlegen, dass er beide Gottesdienste hintereinander selbst halten konnte. Unter seiner Leitung und aktiver Mitarbeit der Vorstandsmitglieder sowie tatkräftiger Gemeindemitglieder wurden nun die bis zum lOOjährigen Gemeindejubiläum erforderlichen Instandsetzungs- und Rekonstruktionsarbeiten wie Einbau einer neuen Gasheizung, Modernisierung der Sanitäreinrichtungen einschließlich Bau einer Kläranlage, Umbau der Erdgeschoßräume zu einer trockenen Wohnung, noch offene Bauinstandsetzungs- und Malerarbeiten usw. geplant, Mittel beschafft und aktiv in Angriff genommen.

An der Mittelbeschaffung beteiligten sich praktisch alle Familien der Gemeinde entweder durch namhafte Geldspenden oder durch zinslose Darlehen. Sehr bedeutsame Fortschritte bei der Trockenlegung und Isolierung des Erdgeschosses vom Kirchengebäude, sowie beim Ausbau der unteren Wohnung und sonstigen Durchführung der dabei anfallenden enormen Bauaufgaben konnten dadurch erzielt werden, indem hierfür eine ABM-Kraft (Arbeitsbeschaffungsmaßnahme) eingesetzt werden konnte. Zeitweise halfen auch die 2 ABM-Kräfte, die an unserer Kirche in Reichenbach Verbesserungsarbeiten durchführten, in Mylau mit. Gesteuert wurden diese Bauaufgaben von Pastor Förster und von Bruder Ronald Hendel, der zeitweise tagtäglich dort mithalf. Später konnte auch Bruder H. Kleinert als neuer Hausmeister aktiv bei diesen Aufgaben mithelfen.

Mitten in diesen laufenden Rekonstruktions- und Jubiläumsaufgaben ergab sich die Tatsache, dass das Kabinett der Kirchenleitung unter Vorsitz des Bischofs W. Klaiber aus gegebenen Anlass Pastor Förster zum Gemeindebezirk Burkhardsdorf/Erzgebirge versetzte. Für die Leitung des Gemeindebezirkes Reichenbach wurde Pastor Röseler bestimmt. So ergab sich, dass Pastor Förster sich mit seiner Familie bereits Anfang Oktober 1993 hier auf dem Bezirk verabschiedete, um die Aufgaben des Bezirkes Burkhardsdorf zu übernehmen. Aber bereits am 31. Oktober 1993 trat Pastor Röseler seinen Dienst auf dem Bezirk Reichenbach an.

Durch enorme Aktivität aller in unserer Jubiläumsvorbereitung, wobei sich nun auch unser neuer Pastor Brd. Röseler voll einschaltete und in vielen Dingen die verantwortliche Leitung übernahm, konnten die geplanten Maßnahmen gut fortschreiten, so dass die Fertigstellung bis zu unserer Jubiläumsfeier im März 1994 als gesichert eingeschätzt werden kann. ln der Endphase der auch verstärkten praktischen Jubiläumsvorbereitung muss noch dankbar zurückschauend berichtet werden, dass sich hierbei ein breiter Mitarbeiterkreis aus der Gemeinde aktiv einschaltete bei den Handwerkerarbeiten, beim Spenden von Finanzmitteln bzw. Materialien usw.

Die bereits geschilderten zahlreichen Versetzungen von Pastoren brachten leider für die Gemeinden des Bezirkes auch eine Reihe Zwischenzeiten, wo kein Pastor zur Verfügung war und die Bruder Predigthelfer des Bezirkes sowie auch Pastoren von Nachbarbezirken hier einspringen mussten. Der himmlische Vater hat aber trotzdem die Gemeinden gesegnet, so dass kaum eine Stagnation festzustellen war.

In der Gemeinde Mylau können wir aber besonders dankbar sein. Die Gemeinde hat sich in den letzten Jahren verjüngt, d. h. wir haben eine Reihe junger Familien, die aktiv in der Gemeinde mitarbeiten. Außerdem haben diese jungen Familien jeweils mehrere Kinder, so dass die Zukunft Gemeindewachstum erhoffen lässt. Als ein weiteres gutes Zeichen ist der Besuch der Bibelstunden (Bibelgespräch) mittwochs zu nennen. Das betonen auch immer wieder die Pastoren bzw. Predigthelfer, die die Gespräche leiten. Es ist außerdem eine gute Aufgeschlossenheit und Gesprächsbereitschaft festzustellen. Dafür wollen wir dem Herrn sehr dankbar sein.

Es ist ja für viele Familien eine schwere Zeit, da neben der wiedergewonnenen Einheit Deutschlands auch Kurzarbeit oder gar Arbeitslosigkeit, Ausbildungsprobleme für die Kinder usw. die Menschen mutlos machen. Sie sehen ja die Rezession der Wirtschaft tagtäglich in den Massenmedien. Umso dankbarer können wir sein, wenn die Glieder unserer Gemeinde auch weiter ihr Vertrauen auf Gott setzen und in Bibelgesprächen ihr Wissen über die Wahrheiten der Bibel vervollständigen. Neben der Schilderung, dass jetzt eine aufgeschlossene, auf Wachstum im Glauben orientierte Gemeinde dem lOOjährigen Gemeindejubiläum entgegensieht, müssen noch weitere Wurzeln hierzu zitiert werden. Es wurde schon dargelegt, dass bestimmte Voraussetzungen hierzu durch treue Arbeit auf verschiedenen Gebieten geschaffen wurden.

Die Arbeit des Gemischten Chores spielte hierbei eine aktive Rolle. Dargelegt wurde bereits, dass Bruder Hermann Lötzsch den Chor von Anfang an leitete und, wenn erforderlich, bis in die 30er Jahre einsprang. Von diesem Zeitpunkt an übernahm Brd. Albert Trüger den Chor und leitete diesen bis 1940. In diesem Jahr zog er aus beruflichen Gründen nach Berlin, deshalb musste der Unterzeichnete den Chor übernehmen und von 1940 bis 1953 fuhren. Ab 1953 übernahm Brd. Karl Ritter den Chor und führte denselben bis 1963. Danach war der Chor eine Zeit lang verwaist. Ab 1964 sprang Brd. Lothar Ackermann ein und leitete denselben bis 1973. Danach trat wieder eine Zwischenpause ein, da wenig Sänger zur Verfügung standen. Im Januar 1975 wurde Brd. Ekkehard Spindler bei einer Vorstandsberatung ermuntert, den gemischten Chor zu übernehmen. Er war mit seiner Familie im September 1974 wieder von Jena in sein Elternhaus in Mylau gezogen. So übernahm er den Chor am 1.2.1975 und leitet denselben nun bereits über 19 Jahre bis heute.

Auch die Arbeit des Männerchores der Gemeinde muss hier Erwähnung finden, da durch denselben in den vergangenen letzten 30 Jahren mancher gute Dienst geleistet wurde. Möglich wurde diese Arbeit zu der Zeit, als der Praktikant Schönfeld und die 2 Pastoren Ruhnow und Hunger hier tätig waren. Da, wie schon betont, der gemischte Chor zu bestimmten Zeiten zahlenmäßig gering besetzt war und dadurch oft in den Gottesdiensten nicht singen konnte, sprang der Männerchor als Doppelquartett ein. Geleitet wurde dieser von Lothar Ackermann.

Diese trockene Aufzählung des Werdegangs der Chöre mit den jeweiligen Leitern ist aber nur eine Seite. Zu beachten ist dabei, dass es für die jeweiligen Leiter ein hoher Zeit- und Kräfteaufwand war und noch ist, um das Liedgut zu sichten, für den verhältnismäßig kleinen Chor passende Lieder auszuwählen und sich für die Chorübung vorzubereiten. Sehr wesentlich war die Treue und Zuverlässigkeit der Sänger, dass die Chöre seit der Gründung im Jahre 1899 bis heute in vielen Gottesdiensten und Sonderveranstaltungen mit Liedern der Gemeinde und Ökumene im Ort dienen konnten. Dem Herrn sei Dank für seine Durchhilfe in den vergangenen 94 Jahren des Chorlebens in all den schweren Jahren von 2. Weltkriegen und dem damit verbundenen Auf und Ab des Wirtschafts- und Gemeindelebens. Die Chöre haben also wesentlich mit zum Aufbau und dem Bestand der Gemeinde bis heute beigetragen.

Die Sonntagsschule wurde bereits 1897 durch Brd. Wilhelm Fischer gegründet und von diesem bis zum 30jährigen Jubiläum geleitet. lnfolge Krankheit von Brd. Fischer übernahm ab 1927 Brd. Arno Ludwig die Leitung der Sonntagsschule und tat diese wichtige Arbeit bis 1967 in vorbildlicher Treue. Ab 1967 leitete Brd. Lothar Ackermann die Sonntagsschule bis zu seinem Rentenalter 1988. Ab diesem Zeitpunkt fehlte ein Leiter für diese wichtige Arbeit. Es halfen verschiedene Geschwister aus, wie Schwester Ulrike Förster, Brd. Jörg Halsema, Steffen Jenkner, Ekkehard Spindler usw., bis sich herausbildete, dass Brd. Jörg Halsema doch die Leitung der Sonntagsschule ab 1989 übernahm und diese auch bis heute durchführt. Auch bei dieser Arbeit muss herausgestellt werden, dass diese außerordentlich wichtig für den Weiterbau und den Bestand der Gemeinde war und ist. Denn aus dem Bestand der Sonntagsschule wachsen die Gemeindekinder und schließlich auch andere in die Jugend und weiter in die Gemeinde hinein. Wie treu und tiefgehend diese Kinder dort in das Wort Gottes eingeführt werden, so erntet später die Gemeinde die Früchte der Arbeit. Wir von der Gemeinde aus sind den genannten Leitern und Mitarbeitern der Sonntagsschule sehr dankbar für den aufopferungsvollen Dienst und unserem Herrn für den reichen Segen, der dadurch in die Gemeinde eingebracht wurde. Das gilt auch bei solchen Kindern, die zunächst nicht gleich nach Grundschulabschluß in der Gemeinde geblieben sind. Es gibt eine Reihe von Beispielen, wie der Herr durch diese Sonntagsschularbeit in das Leben dieser Menschen eingriff und reichen Segen einbrachte.

Erwähnt werden muss auch die Arbeit des Frauendienstes. Wenn in der Gemeinde auch nicht viele Frauen bereit waren, die angesetzten Frauenstunden zu besuchen, so fanden sich doch immer ein Teil der vorwiegend älteren Frauen zu diesen Stunden ein und wurden dort reich gesegnet. In den früheren Jahren wurden diese Abende meistens von den Frauen der Pastoren geleitet. Eine Zeit lang leiteten die Schwestern Frieda Fischer, Gertrud Schubert und Klara Malz diese Stunden. Seit 1986 hat Schwester Rosemarie Spindler die Leitung übernommen, die sie bis heute durchführt. Diesen Schwestern des Frauendienstes, der ja aus dem früheren Frauen Missions- Dienst entstanden ist, wünschen wir, dass auch jüngere Frauen sich für die Mitarbeit entscheiden und so wie manches Jahr auf Weihnachten zu interessante Verkaufsbasare wieder durchgeführt werden können. Der durch diese Handarbeiten erzielte Erlös wurde für manches gute Vorhaben der Gemeinde vom Frauendienst gespendet.

Weiter existieren in der Gemeinde seit einer Reihe von Jahren 2 Ehepaarkreise. Der Ehepaarkreis der Älteren wird geleitet von Brd. Ekkehard Spindler und der Kreis der jüngeren Ehepaare von Schwester Ulrike Förster. Diese Abende werden von den betreffenden Geschwistern gut besucht und sind sehr bedeutungsvoll für die Besucher. Diese erhalten dort Auskunft im gegenseitigen Gespräch über manche Fragen und werden gleichzeitig tiefer in das Wort Gottes eingeführt.

Auch der Hausmeisterdienst hat Bedeutung für unsere Gemeinde. Während manche Gemeinden längere Zeit ohne Hausmeisterfamilien auskommen mussten und noch müssen, lief dieser Dienst in Mylau gut ab. Die Hausmeisterfamilien in Mylau führten diesen Dienst längere Jahre durch. Zum Beispiel die Geschwister Ritter 23 Jahre, die Geschwister Ackermann 32 Jahre. Die Geschwister Pfretzschner verzogen aus beruflichen Gründen nach Plauen und konnten diesen Dienst nur 3 Jahre ausüben. Seit ca. einem Jahr haben die Geschwister Kleinert diesen Dienst übernommen. Von allen diesen Geschwistern wurden diese Aufgaben ernst genommen und in Treue durchgeführt.

Wie bereits weiter oben dargelegt, hat die Arbeit dieser Gemeindedienstgruppen sowie auch die abwechslungsreiche tief im Wort Gottes gegründete treue Arbeit der leitenden sowie auch der in Mylau wohnenden 2. Pastoren das Glaubensleben der Gemeinde vertieft. Wie schon geschildert haben hierzu auch die in den letzten 25 Jahren erforderlich gewordenen Bau- und Instandhaltungseinsätze am Kirchengebäude und Kirchengrundstück beigetragen. Es war überaus erfreulich festzustellen, dass sich daran fast die ganze Gemeinde mit Freude und Elan beteiligte. Während zum Beispiel die Brüder die Bau-, Reparatur- und Erdbewegungsarbeiten durchführten, erledigten die Schwestern die erforderlichen Reinigungsarbeiten und sorgten durch Kochen schmackhaften Essens und Bereitstellung von Getränken dafür, dass niemand nach Hause gehen musste, um seinen Hunger zu stillen. So entwickelten sich diese Einsätze zu ganztägigen Dienstleistungstagen an Sonnabenden, die das Zusammengehörigkeitsgefühl und die Verantwortung für unsere Friedenskirche enorm verbesserten.

In diesem Rückblick auf 100 Jahre Geschichte der Gemeinde Mylau wurde versucht, das Wesentliche für die Gründung und den Bestand der Gemeinde herauszukristallisieren: Es ist der Mut, die Treue und die Einsatzbereitschaft von Brüdern und Schwestern aus der Gemeinde sowie der leitenden Pastoren des Bezirkes und nicht zuletzt durch die direkt in Mylau wohnenden 2. Pastoren mit ihren Ehefrauen, die alles einsetzen um dieses Werk des Herrn auch in Mylau zu sichern und voranzubringen.

Es ist vor allem aber der Geist Gottes, der letzten Endes diese Arbeit segnete, so daß wir mit großer Freude und tiefer Dankbarkeit das lOOjährige Gemeindejubiläum feiern können unter dem Thema:
"Dankbar für das Gestern";
"Mutig im Heute" und
"Hoffnungsvoll für das Morgen!"

Wir untermauern diese Chronik, die wir an die Gemeindeglieder und Besucher der Jubiläumsveranstaltungen je nach Bedarf als Broschüre verteilen wollen, noch durch eine Ausstellung von gemeindegeschichtlichen Fotos und sonstigen Archivunterlagen im kleinen Saal. Ich schließe die 1OOjährige Geschichte unserer Gemeinde ab mit dem Bibelwort aus dem 95. Psalm:
"Kommt herzu und lasset uns mit Danken vor sein Angesicht kommen!"

Mylau, den 12.01.1994
Kurt Spindler